teenage girl

Unsere gemeinsamen Familienmahlzeiten sind nervlich gesehen für alle äußerst strapaziös. Der Kleinste mit seinen fünf Jahren hat große Probleme damit auf seinem Hintern sitzen zu bleiben. Essen ist ja auch sowas von langweilig. Besonders dann, wenn Mama mal wieder solche ekeligen Sachen wie Gemüse oder Reis gekocht hat. Es ist unglaublich, wie schnell der große Hunger von eben wieder verschwunden ist. Zumindest so lange bis der Tisch abgeräumt ist und die Hoffnung auf eine Ess-Alternative steigt.

Unser Mittlerer ist neun und geht schon seit einiger Zeit zur Schule. Er beherrscht das Sitzenbleiben während des Essens in der Regel ganz gut. Er versucht eher an den Gesprächen der Großen teilzunehmen. Was uns Eltern nicht immer so gut gefällt.

Unsere Tochter hingegen ist mittlerweile ein geübter Teenager. Sprich, sie kennt sich damit aus ihre Familie in den Wahnsinn zu treiben. So haben wir des Öfteren tolle Themen am Tisch. Themen die immer dazu führen, dass am Ende eine eisige Stimmung herrscht und ich in der Regel mit der Küchenarbeit alleine zurückbleibe. Könnte auch eine gekonnte Taktik meiner Familie sein. Muss ich mal im Auge behalten!

Meinungsfreiheit 2.0

So diskutieren wir über Transgender, Asexualität, Verhütungsmethoden, Schönheit, Beziehungen und vor allem über die Meinungsfreiheit bzw. über die Freiheit seine Meinung grundsätzlich Kund zu tun.

Ein Teenager im Haus denkt nämlich, er müsse seiner Meinung immer Raum verschaffen und diese Meinung ist auch grundsätzlich die Gegenteilige von uns Eltern. Wenn ich also der Meinung bin, dass Rot eine hässliche Autofarbe ist, wird mir sofort Kund getan, dass ich den armen Autobesitzer beleidigen würde immerhin habe er sich für diese Farbe entschieden. Wenn ich mich damit rechtfertige, dass er es ja nicht gehört hat, zählt das nicht. Ich hätte es immerhin gedacht, das ist schon schlimm genug. 

Sollte aber meine geliebte Teenager Tochter sagen, dass Pink hässlich ist, ist das OK. Auch wenn ich gerade einen pink farbigen Pulli in der Hand halte, den ich zu gerne gekauft hätte und mich jetzt nicht mehr traue. Am Ende bin ich aber selbst schuld für meine Entscheidung. Zumindest sagt das meine Tochter. Witzig ist nur, dass genau diese jene welche ihr Essen in der Schule auch nicht mehr anfasst, sollte jemand sagen, dass das sch.. schmeckt. Das wäre dann peinlich.

Ein Generationskonflikt

Letzten Dienstag – wir diskutierten mal wieder am Esstisch über die Meinungsfreiheit an sich. Mein Mann und ich versuchen unserem Teenager zu verstehen zu geben, dass Meinungsfreiheit nicht bedeutet man solle jedem immer und grundsätzlich seine Meinung unter die Nase reiben. Manchmal muss man auch seinen Mund halten können, um andere nicht zu verletzen oder um nicht einen großen unnötigen Streit herauf zu beschwören. 

Während wir so unseren Standpunkt verteidigten schwelgten mein Mann und ich in Erinnerungen, wie hart unsere Kindheit im Vergleich mit der unserer Kinder war. Nie hätten wir uns getraut auch nur einen Pieps gegen unsere Eltern zu kontern. Ich saß am Esstisch neben meinem Vater. Ein Bär von einem Mann. Seine flache Hand wäre schneller in meinem Gesicht gelandet, als ich den Satz auch nur zu Ende hätte denken können. So war das in den 70ern und 80ern. Wir nickten uns blind verstehend zu, mein Mann und ich, nippten an unserem Wein. Die Gedanken sind frei, wie es so schön heißt.

Mir ist eigentlich schon lange klar geworden, dass ich es nicht besser machen kann als meine Eltern, anders ja. Aber nicht besser. Wie auch? Wie sollten meine Kinder denn wissen, dass es ihnen besser geht als mir oder uns? Sie haben unser Leben nie gelebt. Zudem stellen wir Eltern uns heute ganz anderen Problemen in der Erziehung, als das früher bei unseren Eltern der Fall war.

Wer würde sein Kind heute noch fünf Kilometer über Wald und Flur nach Hause laufen lassen? Im Dunkeln! Meiner Mutter machte das nichts. Ich würde ja noch leben, meinte sie erst neulich zu mir. Es hätte nicht geschadet. 

Ich werde auf keinen Fall wie meine Eltern sein

Ich schwor mir damals, dass meine Kinder niemals so leben müssten wie ich. Das habe ich geschafft. Wie ich leben sie nicht. Mein Teenager hält es sogar für unmenschlich, wenn sie mit dem Bus zur Schule fahren sollen. Es würde viel zu lange dauern und sie müssten ja viel früher aufstehen. Zur Eisdisco oder zur Freundin geht das aber schon, da will man ja aber auch freiwillig hin. Ganz was anderes.

Man sucht sich seine Selbständigkeit heute generell aus. Ich gebe zu, dass ich Busfahren jetzt nicht für so schlimm empfinde, als zu laufen. Nun kann ich dieses Super-Bestrafungs-Ass allerdings nicht ausspielen, da wir den Schulweg in einer Fahrgemeinschaft bestreiten. Zu gerne würde ich meine Tochter nämlich an manchen Tagen laufen lassen. Einfach damit sie und ich genug Zeit haben um abzukühlen.

Hat jemand einen Teenager zuhause und kann mich verstehen?

Eigentlich wollte ich eine coole Mama sein. So hatte ich das am Tag meiner ersten Geburt geplant. Meine Tochter und ich würden mal beste Freunde werden, dachte ich. Sie kann zu mir kommen und ich werde immer für sie da sein. Was für ein Hohn.

Ich bin oft hin- und hergerissen, ob ich mit ihr reden möchte oder nicht. Bin ich seelisch gerade gut gestimmt, möchte ich mir meine Stimmung nicht verderben lassen. Immerhin muss ich für dieses Gefühl mittlerweile auch schon einiges tun. An den sowieso schon beschissenen Tagen kann ich Gespräche mit ihr erst recht nicht ertragen. Da bleibt nicht viel Luft dazwischen, ich gebe es zu.

Ich liebe mein Kind über alles. Würde ihr etwas zustoßen – meine Welt würde untergehen. Wenn es ihr schlecht geht – geht es mir auch schlecht. Ist sie glücklich – freut es mich aus tiefstem Herzen. Das gemeinsame Leben mit ihr gleicht jedoch einem großen Vergnügungspark und es sind jede Menge Achterbahnen vorhanden und mir wird davon schlecht.

Handyentzug als Druckmittel

Duschen, Zähne putzen, sich an üblichen Aufgaben beteiligen.. das alles sind keine Dinge mehr die unter normaler Aufforderung erledigt werden. Ich bin seit einigen Wochen dazu übergegangen, dass Handy als absolutes Druckmittel zu benutzen. Was früher also ein “Schätzchen, bitte räum die Spülmaschine aus” war, ist heute “die Spülmaschine ist fertig. Du hast bis 12 Uhr Zeit, sonst ist das Handy für heute weg”. Dazu gibt es die passende Mimik und Stimme.

Ich könnte bei der Bundeswehr gewesen sein. Leider ist es anders nicht mehr möglich. Ich wurde zu oft darauf hingewiesen, dass ich keine Zeitangabe oder konkrete Anweisungen gemacht hätte, bis wann die Aufgabe erledigt sein sollte und dadurch hätte ich Spielraum gelassen. Passiert mir nicht mehr.

Ich zähle jetzt schon die Jahre die mir noch bleiben, bis die Jungs in die Pubertät kommen. Das Gute: meine Tochter wird dann schon wieder “normal” sein und wenn nicht, zumindest viel unterwegs. Solange ist eben viel öfter Wine time. Ich wünsche euch einen schönen Tag.

P.S. lest auch gerne meine weiteren Blogs zu alltäglichen Themen.

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