Mittlerweile bin ich 45 und zum zweiten Mal verheiratet. Ich würde daher behaupten ich habe etwas Erfahrung in Sachen Beziehungen. In einer Beziehung und auch in der Ehe ist lange nicht alles Gold was glänzt. Wir sehen die Pärchen auf dem Schulhof und auf dem Elternabend und sie sehen in unseren Augen so wunderbar harmonisch aus. Doch der Schein trügt – zumindest in der Regel. Ich kenne kein Pärchen, bei dem die Ehe oder die Beziehung noch rosarot ist, wenn das erste Kind eingeschult wird. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hat die Beziehung schon die ersten heftigen Hürden genommen. 

Meine Ehen fingen schon mit der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes deutlich zu wanken an. Im Geburtsraum wurde mir klar: der Kerl redet nur – er ist viel hilfloser als du selbst. Du kannst dich nur auf dich selbst verlassen. Sätze wie „Schatz, das tut mir so leid dich hier so leiden zu sehen“ oder „Ich würde dir die Schmerzen so gerne abnehmen“ sind reine Floskeln meine Ladies. Reine Floskeln. Sie werden ausgesprochen, um das schlechte Gewissen zu besänftigen, dass die Kerle froh sind das sie gerade nicht ein Kind durch eine winzige Öffnung pressen müssen. 

Sie stehen vielleicht auch unter Schock, weil sie sich fragen ob ihr nun winziger Penis die Wände der nun nicht mehr straffen Vagina überhaupt noch berühren werden. Wie wird der zukünftige Sex mit der Partnerin nur werden? Tja, Jungs. Solche Gedanken gehen einer Frau erst einige Wochen nach der Geburt durch den Kopf. Nämlich dann, wenn sie beim Pinkeln keine Schmerzen mehr hat und sie sich einen Penis in der Nähe ihrer Vagina überhaupt wieder vorstellen mag.

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Wenn die Beziehung dem Alltag verfällt

Ich möchte mal behaupten in jeder Beziehung kommt irgendwann der Punkt, an dem er oder sie sich außerhalb der Beziehung sagen wir mal „umschaut“. Ich unterstelle hier noch nicht mal blanke Absicht. Vielleicht kommt das andere Wesen ja auch auf einen zu und offeriert sich. Man erhält Lob und Komplimente für Dinge, die der eigene Partner schon lange nicht mehr wahrnimmt. Wir fühlen uns verdammt gut in dieser neuen Situation – nämlich begehrt zu sein. Aufregend und wohltuend kommt die neue Aufmerksamkeit in unserem Gehirn an.

Man wird nicht auf seine Familien-Skills reduziert, sondern als eigener Mensch gesehen. Und mit diesen neuen Hochgefühlen, die uns unwahrscheinlich auf pushen, erkennen wir auf einmal die ganzen vermeintlichen Fehler unseres (Ehe-)Partners. Auf einmal sehen wir wie er furzt, schmatzt, rülpst oder die Toilette nicht ausreichend reinigt. Wir erkennen wie sehr er sich hat gehen lassen. Den Schwangerschafts-Speck, der nie mehr das Haus verlassen hat und über die Jahre einfach zum Standard wurde. Manche ziehen sich immer seltener schick an und die Unterwäsche wird meist aus funktionalen Gründen gekauft und nicht um den Partner auf Touren zu bringen.

Was tun, wenn man merkt das es da jemanden gibt? 

Eine Szene machen und darauf hoffen, dass der Partner sofort den Kontakt abbricht, um ins langweilige, aber sichere Familiengebilde zurück zu kehren? Ihm Vorwürfe machen, wie er das nur hatte zulassen konnte? Wie es möglich war, eine andere Person in sein Leben zu lassen, obwohl man doch so viel für ihn und die Familie opferte? Zugegeben, es ist eine heikle Situation und leider sehr emotional. Man ist verletzt, traurig, wütend, und sicher vieles mehr. In beruflichen Situationen würde einem hier geraten erstmal tief Luft zu holen. Am besten nicht übereilt und emotional, sondern rational und vor allem bewusst und taktisch zu handeln. Warum sollte das nicht auch für eine Partnerschaft die bessere Wahl sein?

Ich kann natürlich nur für meine Generation sprechen, aber wir Frauen stehen nicht so auf einen Mann (den wir gerade sowieso nicht besonders männlich und anziehend finden) der vor uns heulend auf die Knie fällt und uns bittet die Beziehung nicht zu beenden. Auch Druck und Konsequenzen sind eher kontraproduktiv. Folgende Tipps möchte ich euch da draußen geben, wie ihr versuchen könnt euren Partner wieder für euch zu gewinnen:

1)    Macht euch auf keinen Fall kleiner

Auch wenn ihr euch im Moment ungeliebt und nicht aufregend fühlt – macht euch auf keinen Fall kleiner. Im Gegenteil! Holt das Beste aus euch raus. Männer sind mit Jeans und einem weißen Hemd immer perfekt angezogen. Vielleicht geht ihr ins Fitness-Studio oder fangt an zu joggen. Frauen haben so viel Auswahl. Als erstes ab zu Hunkemöller und sexy Unterwäsche kaufen gehen.

Aber Vorsicht: Sätze wie „schau mal, ich habe mich heute für dich chic gemacht“ oder „schau mal, ich war heute im Fitness. Es wird Zeit, dass ich meinen Körper wieder in Schuss bringe“ sind absolut tabu. Es muss kommentarlos passieren. Der Partner soll sich Gedanken machen, für wen ihr euch auf einmal so rausputzt. Wenn der Partner weiß, ihr tut das nur für ihn wird die Wirkung verfehlen. Bleibt geheimnisvoll.

2)    Stellt wieder ein gleichwertiges Level her

Euer Partner möchte logischer Weise mehr Freiraum haben. Immerhin will der oder die „Neue“ ja Zeit mit eurem Partner verbringen. Hier nicht durchdrehen. Es ist sicher schwer, aber einen Vogel hält man nicht durch festhalten. Er wird immer wieder versuchen zu fliehen. Ihr müsst dafür sorgen, dass er bei euch bleiben möchte. Also ist es wichtig ihn zu verunsichern. Macht euch interessant. Sag sowas wie: „Ja klar, kannst du ausgehen. Hab einen schönen Tag. Das passt mir gut, wir haben neue Kollegen in der Firma und wir wollten sowieso was trinken gehen, dann mach ich mir auch einen schönen Tag“. Brezel dich unbedingt mehr auf als normalerweise. Leugne aber jegliche Absicht. Bleibe unbedingt geheimnisvoll. Eifersüchtig machen kommt nämlich nicht gut, zumindest nicht, wenn es offensichtlich ist. Geh auf alle Fälle aus. Geh deine Kontaktliste durch, finde einen Komplizen. Speicher die Nummer des Komplizen unter einem Kürzel ab.

Sollte euer Partner offen ansprechen, sich mit anderen treffen zu wollen, solltest du auf keinen Fall sagen: „Was? Spinnst du? Das kommt überhaupt nicht in die Tüte!“ Es ist ratsamer zu sagen: „Ah, Mensch das trifft sich gut. Ich habe da nämlich auch schon drüber nachgedacht, ob uns das nicht guttun würde. Etwas aufregendes und Neues zu erleben ist sicherlich toll. Ich hätte da am Freitag auch schon eine Verabredung, wenn es OK ist. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, wie ich dir das sagen sollte.“ Ich meine, stellt euch das Gesicht eures Partners vor. Er wird sich schnell überlegen, ob er möchte, dass ihr euch mit anderen trefft. 

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Alles hat ein Ende

Ihr könnt vielleicht erkennen, dass diese Tipps am besten funktionieren, wenn der Partner nicht weiß, dass ihr wisst was er hinter eurem Rücken tut. Und tut euch selbst einen großen Gefallen: Sagt ihm auch danach niemals was ihr da getan habt. Das kommt einfach nicht gut. Nehmt auch auf keinen Fall Kontakt zu dem vermeintlichen Nebenbuhler auf. Das ist kindisch und dumm. Nicht der Nebenbuhler ist schuld an eurer Lage. Leider ist es wirklich so, dass man das schon selbst verkackt hat. Aber auf diese Weise erhaltet ihr zumindest eure Würde und macht euch nicht zum Affen. Ganz wichtig dabei: Drama erhöht auf keinen Fall die Chance auf eine Wiedervereinigung. Wir sind alle Menschen. Das Leben war nicht als Monogamie gedacht. Wir haben es dazu bestimmt. 

Wir sprechen heute immer öfter von Lebensabschnittsgefährten und das ist gut so, aber für manche von uns hört sich das tragisch an. Wenn man aber ehrlich ist, verändern wir uns im Laufe unseres mittlerweile doch meist langen Lebens. Wir machen meist unterschiedliche Erfahrungen. Nicht immer entwickelt man sich im selben Tempo und in die gleiche Richtung. Wir müssen hier, auch zum Wohle unserer Kinder, offener werden. Natürlich sollen diese Erkenntnisse nicht die Existenz einer der beiden Partner zerstören. Meist dem der sich weitgehend der Kindererziehung gewidmet hatte und deren Karriere daher so gut wie zum Stillstand kam. Es muss fair zugehen.

Sollten die Rettungsversuche also scheitern und eine Trennung unumgänglich sein, sollte das je nach Familiensituation und Möglichkeiten so sanft wie nur möglich passieren. Am besten sogar in Etappen, damit die Kinder und auch die Partner sich an die neue Situation gewöhnen können. Generell sollte das Wohl der Kinder immer im Vordergrund stehen. Neue Partner (sollte es welche geben) sollten dies unbedingt akzeptieren. Tun sie das nicht, ist die neue Beziehung hier schon vor dem ersten großen Problem gestellt. Wird der Partner die vorrangige Stellung der Kinder akzeptieren können oder wird er diese stets und ständig in Frage stellen und vielleicht sogar verändern wollen? Wie könnt ihr damit umgehen? Leider sehen wir hinter der rosaroten Brille der Verliebtheit meist nur verschwommen.

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